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Evangelische Kirchengemeinde Uemmingen. Kirche in Laer, erbaut 1885-1887. Zur Einweihung der Apostelkirche (Querenburg) im Jahre 1957 erzählt Pfarrer Johannes Kuhlmann, der 30 Jahre lang bis zur Errichtung der ...
Zur Einweihung der Apostelkirche im Jahre 1957 erzählt Pfarrer Johannes Kuhlmann, der 30 Jahre lang bis zur Errichtung der Pfarrstelle in Querenburg Seelsorger des Bezirks Uemmingen war, aus seiner Erinnerung :

Dreißig Jahre Pastor in Uemmingem


Wie soll man in Kürze davon berichten, was an Frohem und Ernstem in den 30 Jahren liegt, während derer ich nun schon euer Seelsorger sein darf? Ich will es versuchen, indem ich aus meinen Erinnerungen einige Erlebnisse erzähle, die mir aus diesem oder jenem Grunde besonders im Gedächtnis haften geblieben sind. Unvergesslich ist mir noch, wie ich bald nach meiner Wahl zum Pfarrer des 2. Bezirkes, der damals die Ortsteile Uemmingen, Laerheide und Querenburg einschloss, von dem derzeitigem Vorsitzenden des Presbyteriums zu einem baldigen Besuch gebeten wurde. Mein Amtsbruder hatte selber lange Zeit diesem Bezirk vorgestanden, dem künftig mein ganzer Dienst gelten sollte. Als ich mit ihm nach seinem Besuch aus seinem Pfarrhaus ins Freie trat, ließ ich etwas fragend meinen Blick in die Weite schweifen, wo ringsum nichts als Wiesen und Felder und in der Ferne hügelige Wälder sich lieblich vor meinen Augen ausbreiteten, nicht zu vergessen das liebe Vieh auf den Weiden. Da mein Amtsbruder meinen fragenden Blick nicht zu verstehen schien, so musste ich die Frage schließlich aussprechen, wo denn nun eigentlich mein Querenburg läge. Darauf deutete er mit einer majestätischen Handbewegung weit in die Runde und sprach die Worte: „Das alles ist dir untertänig…“Bald jedoch merkte ich dann, dass hinter den weitausgedehnten Wiesen und Feldern tatsächlich die Ortschaft Querenburg lag – man musste sie nur Haus für Haus hinter Feldern und Wäldern suchen. Ein besonderes Erlebnis dafür aus den Tagen unmittelbar nach meiner Amtseinführung möchte ich noch erzählen. Zunächst aber muss ich noch von dem Tag meiner Einführung selber berichten, der mir noch lebhaft in Erinnerung ist. Nach dem Gottes-dienst fand, altem Brauche entsprechend, in dem neben der Kirche gelegenen Heckmann’schen Saal eine Nachfeier statt, bei der ein großer Teil der Gemeinde zugegen war. Wie bei solchen Anlässen üblich, wurden auch manche Reden gehalten, von denen sich mir besonders gut die Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Presbyteriums eingeprägt hat. Er zeichnete mehrere Bilder mit Worten, die mich, den Neuling, gleich recht einführen und mit der Gemeinde vertraut machen sollte. Vor allem eines hat mir noch später viel zu denken gegeben:…. In einem großen Teich befinden sich viele Fische von allen möglichen Sorten. So zum Beispiel Goldfische, Stichlinge, Karpfen und so weiter –- und oft auch ein Hecht. Dieser Hecht ist eine Gefahr für alle die anderen Fische. Das ist oft auch so in einer Gemeinde. Da kann ein Hecht eine ganze Gemeinde durcheinander bringen.…“ Viel später erst erfuhr ich, dass dieses Bild sich sehr konkret auf ganz bestimmte Vorgänge bezog, die sich kurz vorher zugetragen hatten.
Und dann zog ich also los, um meine Gemeinde zu „erlaufen“. Ehe ich noch recht damit be-gonnen hatte, schellte eines Tages ein kleines Mädchen an meiner Haustür: „Einen schönen Gruß von Oma und Opa, ob Sie wohl am kommenden Sonntag das Enkelkind Karl taufen würden? “ –- Gemeint war natürlich eine Haustaufe auf dem elterlichen Kotten. Auf meine Frage, wo das denn sein sollte, kam die Antwort: „In der Donnerkuhle“ - und mehr als „Donnerkuhle“ war nicht zu erfahren. Nun, mein Amtsbruder hat mir dann den Weg be-schrieben, und ich habe ihn auch gefunden - und der kleine Karl von damals ist inzwischen längst mit seiner Frau von mir getraut worden. Nicht weit von jenem Haus liegt in der anderen Ecke der Donnerkuhle noch ein Kotten, der damals noch lange Zeit einsam auf den Ruhrwiesen nach der Stiepeler Grenze lag. Auf einer meiner ersten Expeditionen in diesen südlichsten Teil meiner Gemeinde kam ich eines Tages auch an dieses Haus, in dem damals ein altes Ehepaar wohnte. Ich ging darauf zu und klopfte an das große Tor. Nach geraumer zeit schaute eine alte Frau über die untere Dielentür, und als sie mich mit meiner Aktentasche unter dem Arm erblickte, sagte sie beim Zuwerfen der Tür: „Heute brauchen wir nichts!“ - Trotzdem sind wir bald gute Freunde geworden.
So lernte ich allmählich Land und Leute meiner Gemeinde kennen. Wie im großen und ganzen auch heute noch, waren die Leute damals zumeist Bauern, Handwerker und vor allem Bergleute, welche letzteren auf den am Rande der Gemeinde liegenden „Pütz“ ihre schwere Arbeit taten und nach Feierabend noch ihren kleinen Besitz mit Stall und Garten zu versorgen hatten. Zum größten Teil gehörten sie alteingesessenen Familien an, die seit Väter Zeiten auf ihren Kotten saßen und mit ihrer Gemeinde und mit Grund und Boden eng verwachsen waren. Dies hat sich in den letzten Jahren freilich geändert, besonders, seitdem nach dem letzten Weltkriege die großen neuen Siedlungen entstanden.
Wo heuet die großen Siedlungen sich erstrecken, wanderte man früher oft sehr einsam durch Wald und Feld. Ich denke an so manchen Weg, den ich vom Schulte-Uemming’schen Hof, an der Grenze zwischen Uemmingen und Langendreer gelegen, vorbei an dem altenFriedhof, auf dem noch im vorigen Jahrhundert die alte Uemminger Kirche stand, gegangen bin. Bei Brink-mann dann die Kleinherbeder Straße entlang zum Kalwes-Berg, an dessen Fuß man durch die „Blumenau“ über den Bach kletterte, der damals noch lustig durch das Tal dahin plätscherte ohne ein festes Bett. Hier bildet die Ruhr die Grenze nach Stiepel. Die Bewohner des vorhin erwähnten Kottens inmitten der Ruhrwiesen konnten es früher manchmal erleben, dass im Frühjahr und im Herbst eine Überschwemmung der Ruhr sie völlig vom „Festland“ abschnitt. Dann konnte man nur im Kahn zu ihnen kommen.
Ja, weite Wege waren es. Nicht nur durch die Gemeinde - sondern auch zum Herzen der Gemeinde. Aber im Laufe der Jahre sind auf diesem und auf jenem Wege doch manche enge Verbindungen geknüpft worden. Und ich kann nicht anders sagen, als dass mich die treue Anhänglichkeit so manch eines Menschen und mancher Familie immer tief gerührt hat. Es war schon ein Bild, bei dem ein Sonnenstrahl im Herzen aufging, wenn man sie sonntags in langem Zug gemächlich über die weiten Felder zum Gottesdienst kommen sah, wo bei anscheinend damals noch die weiten Wege von oftmals einer bis eineinhalb Stunden und mehr noch keine Rolle spielten. So mussten auch die Kinder wöchentlich den weiten Weg zum kirchlichen Unterricht unternehmen, der in einer alten Schule in der Nähe der Kirche stattfand. Da knurrte niemand! Ihre Väter und Mütter hatten ja denselben Weg einst machen müssen.
Mit dem kirchlichen Unterricht verbindet sich allen alten Leuten noch eine besondere Erinne-rung, die stets ein Schmunzeln auf den Gesichtern hervorlockt. Da nämlich die Kinder von Laerheide und Uemmingen mit den Querenburgern denselbenUnterrichtsraum benutzen
mussten, kam es jedes Mal nach Unterrichtsschluss - aus mir bis heute noch nicht ganz klar ersichtlichen Gründen --- regelmäßig zu einer großen Keilerei. An der Schattbäcke und in Kuschmanns Wäldchen standen sich die feindlichen Brüder gegenüber - und es sollte oftmals, wie die Alten heute noch mit verständnisinnigem Schmunzeln erzählen, sogar sehr blutig zugegangen sein. Das fand erst ein Ende, als ich die Querenburger Kinder zum Unterricht in einer in Querenburg gelegenen Schule sammelte. Ich weiß allerdings nicht, welches Gefühl bei den Kindern überwog: die Freude über den kürzeren Weg oder das Bedauern über die nicht mehr stattfindende Keilerei. Für mich war jedenfalls der erstere Gesichtspunkt ausschlag-gebend, nämlich den Kindern die weiten Wege zu ersparen. Diese Wege waren manchmal nicht ganz ungefährlich. Auch dafür ein Erlebnis. An einem kalten Winterabend wollte ich von einem Gemeindebesuch über den Kalwes nach Hause gehen. Oben auf dem Berge war die Sicht auch noch gut. Sowie ich jedoch an die Gedenkeiche kam, da, wo sich jetzt Westerholt-, Overberg- und Schattbachstraße treffen, wurde der Nebel plötzlich so dicht, dass man in der Tat die Hand vor Augen nicht sehen konnte. Zudem lag der Schnee so hoch, dass Wege und Felder in gleicher Höhe zugedeckt waren. Ich glaubte, die Richtung auf Pfarrhaus und Kirche auch im völligen Dunkel zu kennen. Aber plötzlich stand ich nach langem Umherirren unmittelbar vor dem Ölbach, der sonst durch die Wiesen dampfend mit den Abwässern der Zeche Mansfeld zur Ruhr floß. Jetzt merkte ich, dass ich völlig verkehrt gelaufen war.
Ich machte kehrt und stand nach einiger Zeit - wieder an derselben Stelle am Ölbach! Ich war im Kreis gelaufen. Nur ganz langsam, Schritt vor Schritt mich weitertastend, fand ich am Bach entlang einen über den Schnee getretenen Weg, der mich schließlich nach Hause brachte.
Eines habe ich auch bald gemerkt: die Querenburger verstanden von je her, Feste zu feiern. Es war immer eine Selbstverständlichkeit, dass der Ortspfarrer zu Jubiläumsfesten des Kriegervereins und der Feuerwehr eingeladen und erwartet wurde. Dabei ging es manchmal recht hoch her. Und doch fand sich auch stets Gelegenheit, dabei in manches gute Gespräch zu kommen - und gelegentlich auch mit Leuten, mit denen man sonst kaum Fühlung bekam.

Mit dem gewaltigen politischen Umbruch des Jahres 1933, der unser Volk bis in die Tiefe packte und auch erhebliche Erschütterungen im Leben der Kirchengemeinde zur Folge hatte, verbinden sich mir Erinnerungen besonderer Art. Und wiederum muss ich sagen, dass es zum Teil sehr frohmachende, zum Teil aber auch sehr demütigende und schmerzliche Erfahrungen waren. Für diejenigen, die tiefer zu sehen vermochten, schien unsere geschichtlich gewordene Volkskirche zerschlagen. Die gewaltige politische Bewegung jener Jahre trieb im Sturme vorwärts - aber nur wenige ahnten, wohin der Sturm uns treiben würde. Anfangs war es sogar so, dass unsere Kirche sich wieder füllte. Doch bald zeigte sich, dass es eine Scheinblüte war.
In der bald darauf einsetzenden innerkirchlichen Auseinandersetzung, an der auch unsere Uemminger Gemeinde nicht vorbei gehen konnte, sind – das sehen wir heute sehr demütig – auf beiden Seiten viele Fehler gemacht worden. Und besonders schmerzlich war es, wenn menschliches Versagen auf dieser oder jener Seite so weit führte, dass selbst einzelne Familien zerrissen wurden. Trotz manchem Versuches kam es kaum zu einem brüderlichen Gespräch miteinander. Die Herzen wurden hart und oftmals verbittert. Diejenigen, die unabänderlich an ihrem Glauben an Jesus Christus als den einzigen Herrn der Kirche festhalten wollten, mussten sich von der anderen Seite nationale Unzuverlässigkeit vorwerfen lassen. Aber auch diese
Seite fand nicht mehr den Weg zum Bruder.
Die Folgen dieser schweren inneren Not, die sich da unter uns offenbarte und die weite Kreise gerade auch unserer gut kirchlichen Gemeindeglieder betroffen hat, sind auch heute noch nicht ganz überwunden. Ob auch das an unserer menschlichen Unzulänglichkeit liegt ? Und ob wir unter der vergebenden Gnade Gottes nicht doch noch viel offener im persönlichen Gespräch
einander das zugeben sollten? Eines dürfen und sollten wir gewiß tun : Gott darum bitten, dass er uns den Weg zum Bruder wieder finden lasse – und miteinander den Weg zu Seiner Wahrheit.
Wenn ich auf diese drei Jahrzehnte zurückblicke, die ich als Seelsorger auch in Querenburg Wirken durfte, so kann ich es nur mit tiefem Dank gegen Gott. Und je älter ich werde, fühle ich, dass ich gerade mit dem Querenburger Bezirk durch all die Jahre immer enger verbunden wurde und heute noch bin. Auch, wenn ich nun den größten Teil dieses Bezirkes an den Amtsbruder der neuerrichteten dritten Pfarrstelle abgegeben habe. Dass man die Kinder getauft hat, diese dann durch den kirchlichen Unterricht zur Konfirmation und zu ihrem ersten Abendmahlsgang führen durfte, dass man nach Jahren sie trauen und schließlich wieder ihre eigenen Kinder taufen konnte – und dass man auch an manchem Sterbebett hat trösten dürfen mit der Botschaft von Jesus Christus, das alles hat doch mit so mancher Familie ein inniges Band des Vertrauens und oft auch der Freundschaft geknüpft.
An zwei Männer denke ich heute ganz besonders. An den leider zu früh heimgegangenen ehemaligen Querenburger Kirchmeister G u s t a v E v e r t s und an seinen jahrelangen Freund im Presbyterium, G u s t a v R i c h m a n n. Beide habe unermüdlich danach gestrebt, dass „die Querenburger eines Tages ihre eigenen Glocken hören“ können. Dieser Wunsch ist heute erfüllt. Gott gebe, dass auch der andere Wunsch in Erfüllung gehen möge : dass viele dem einladenden Ruf der Glocken folgen möchten ! Das ist auch Wunsch und Gebet
eures alten Seelsorgers
J o h a n n e s K u h l m a n n




Uemming.jpg uemminge-Traktor.jpg Uemminge.jpg uemmingen-wagen.jpg Uemmingen.jpg

Thing  [Jan 25, 2009 at 11:45 AM]
Starker Text Ummo!!! Alles in allem, sehr Informativ, Lustig und Nachdenklich.... schön das du dir die Mühe gemacht hast
Marie  [Jan 25, 2009 at 09:13 PM]
Da hast du dir aber echt Mühe gegeben Ummo. Danke dir!
Individu  [Feb 24, 2011 at 08:41 PM]
Schade das der Ümminger Dom abgerissen wurde.

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